Neu erschienen: Werteorientierte Marktwirtschaft

Cover_Werteorientierte Marktwirtschaft_Dez2016

Ich habe mein Buch Werteorientierte Marktwirtschaft überarbeitet.
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Der Erlös kommt gemeinnützig der Umweltakademie eV. in München zugute.

Zum Inhalt:
Werteorientierte Marktwirtschaft stellt den Wertekodex als  Leitlinie für verantwortungsvolles Handeln der Wirtschaft in den Mittelpunkt. Dieses „Qualitätsversprechen“ von Unternehmen und Unternehmergruppen ist ein wirkungsvolles Steuerungsinstrument, wenn es bestimmte Qualitätskriterien erfüllt.

Ein Kulturwandel für Problembranchen gelingt damit, wenn der Dialog mit der Zivilgesellschaft intensiviert wird. Es entsteht eine durch sie und die Medien begleitete Selbstverwaltung der Wirtschaft statt Bürokratie und detaillierte Verordnungen durch die Politik.

Das Buch ist Pflichtlektüre für Wirtschaftsverbände, für Berufs- und Wirtschaftskammern und für Unternehmer, denen nachhaltig verantwortungsvolles Wirtschaften am Herzen liegt. Und es zeigt einen neuen Weg für die Politik, die sich zur Marktsteuerung auf eine Rahmenvorgabe beschränken kann. Ein Leitfaden zur Umsetzung der Corporate Social Responibility, kurz CSR, also der unternehmerischen Verantwortung von Wirtschaftsbranchen für eine ökosozial verantwortungsvolle Marktwirtschaft.

3 Gedanken zu „Neu erschienen: Werteorientierte Marktwirtschaft“

  1. Sein Buch ist höchst aktuell. Man spürt und glaubt ihm sein Engagement und seine Frustration. Bis heute, zehn Jahre nach seiner ersten Publikation, geht es Anfang 2017 in dem im Bundestag diskutierten CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR: Corporate Social Responsibility) immer noch hauptsächlich um Berichterstattungs-Vorschriften für die Unternehmen (ein Albtraum an vermehrter Bürokratie). Es geht immer noch nicht darum, einen im Dialog mit den Bürgern erarbeiteten konkreten und aktuellen Wertekatalog für wirtschaftliches Handeln in Problembranchen einzufordern.

    Dabei hält der Autor die Politik nicht für geeignet,
    einen Katalog von sozialem und nachhaltigem Handeln für die gesamte Wirtschaft aufzustellen. Hauptsächlich richtet sich seine Skepsis gegen die das Urteil der Politiker vernebelnden Lobbygruppen aus der Wirtschaft und dem Finanzsektor und der mangelnden Beteiligung der Bürger an wichtigen Entscheidungsprozessen, die sowohl finanziell, als auch sozial, als auch umweltrelevant unser aller Zukunft betreffen. Er fordert etwas grundsätzlich Neues:

    Die Politik soll wichtige Aufgaben im Subsidiaritätsprinzip delegieren: unter Einbeziehung von Sachkundigen und engagierten Bürgern in NGO’s, Vereinen und Bürgerinitiativen als gleichberechtigte Verhandlungspartner mit den Wirtschafts- und Finanzakteuren und den Verbänden ist es die Aufgabe der Politik, einen gesetzlich verankerten permanenten Dialog einzurichten, ähnlich der gesetzlich verankerten betrieblichen Mitbestimmung in Deutschen Unternehmen. Der Autor schlägt als wichtiges Instrument zur realen Steuerung vor, dass dieser Dialog sich nicht in der Gesamtwirtschaft verlieren darf, sondern branchenspezifisch organisiert sein muss. Das Ergebnis könnte ein in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft aktualisierter Wertekataloge sein, an die Unternehmen einer Branche in Selbstverpflichtung gebunden sind. Unternehmen und einzelne Manager, die sich nicht an diese Werte halten, können aus dem Branchenverband ausgeschlossen werden. Sie gelten dann nicht mehr als „ehrbare Kaufleute“.

    Eine Einbeziehung der Zivilgesellschaft ist schon dadurch geboten, dass immer mehr externe Kosten von der Umweltverschmutzung bis zur Notwendigkeit marode Banken „zu retten“, von der Wirtschaft und dem Finanzsektor nicht selbst getragen werden, sondern vom Steuerzahler beglichen werden müssen. Mit einem intakten, verpflichtenden und von der Zivilgesellschaft überwachten Ethik-Kodex hätte die Finanzkrise von 2008 vermieden werden können.

    Halten wir uns vor Augen, welche immensen volkswirtschaftlichen Kosten uns allen in den letzten Jahrzehnten entstanden sind durch wirtschaftliche Vorhaben von großer Tragweite (Atomkraftwerke, Flussvertiefung, Flughafen und Bahnhöfe, Privatisierungs-versuche von Versorgern, internationale Verträge zur Bevorzugung von globalen Unternehmen auf Kosten der Demokratie wie TTIP und CETA), die einen Bürger-Dialog ausschließen wollten. Legen wir uns weiterhin Rechenschaft darüber ab, wie durch den institutionalisierten Mangel an Bürgerbeteiligung und den dadurch entstandenen Streit wichtiges Vertrauenskapital von Wählern in die Politik verspielt worden ist. Es kann nur verwundern, dass die Politik nicht längst über nachhaltige permanente Lösungen zur Bürgerbeteiligung nachgedacht hat, die das verlorene Vertrauen wieder herstellen können und Steuergelder nicht in sinnlosem Hick-Hack verschwenden.

    Politiker sind gerne geneigt, sich selbst in Lösungsversuchen zu verstricken, die sie über ihre Belastungsgrenze und über ihre Kompetenz hinaus fordern. Dabei gibt es Möglichkeiten zur Regulierung, die die Politik nicht überfordern, sondern ihr lediglich die Aufgabe zumutet, den notwendigen gesetzlichen Rahmen für eine effiziente Selbstregulierung der Wirtschaft im Dialog mit der Zivilgesellschaft und im Sinne der zukünftigen Generationen zu schaffen. „Die regelnde Hand des Marktes allein genügt längst nicht mehr, vielmehr muss dieser Glaube ersetzt werden durch einen neuen ethischen Standard der Freiheit, der Regelwerke akzeptiert und Freiheiten hinterfragt“.

    Die EU Kommission hat den Versuch unternommen, eine Nachhaltigkeitsstrategie als Selbst-Regulierung der Wirtschaftssektoren in der EU einzuführen. Die Wirtschaft sollte dazu einen selbstbestimmten Weg zur CSR-Umsetzung beschreiten. Jedoch lehnte die Wirtschaft eine eigenverantwortliche Beschränkung ihrer Freiheiten ab. Gier und Gewinnmaximierung sind weiterhin die Vorgaben durch das Aktiengesetz. Auch im Energiesektor in Deutschland zeigen die Auswirkungen des EEG-Gesetzes, wie hoch die planwirtschaftlichen Denkfehler der Politik den Verbraucher zunehmend belasten – mit 200 Milliarden Euro in diesem Jahrzehnt allein.

    Niemand glaubt mehr an die Wirtschaft und den Finanzsektor als Garant des Wohlergehens der Menschen. Auch wenn die Verantwortung für unsere Umwelt und für unser Klima mit Vorgaben für die CO2-Reduktion in der Politik angekommen sind, so bedarf es des kontinuierlichen Drucks durch die Zivilgesellschaft, um eine Veränderung in der Kultur des Wirtschaftens herbeizuführen. Die Wirtschaft hat die Aufforderung der EU Kommission zur Selbstregulierung als Chance nicht wirklich genutzt. Einige Unternehmen stellen ihre Umweltverantwortung, ihre soziale Verantwortung und ihr nachhaltiges Handeln durch Qualitätssiegel heraus. Als Konsument kann der Bürger darauf reagieren.

    Aber eine wirkliche partizipative Steuerung der Märkte fehlt noch. In unserer komplexen Welt ist eine Einbeziehung der Erfahrung und des Wissens der Zivilgesellschaft in einer direkten Demokratie unabdingbar. Gut informierte und vernetzte NGO’s, Bürgerinitiativen, Vereine und Verbände stehen dazu bereit, global ein faireres und nachhaltiges Handeln zu ermöglichen. Die Politik will aber bislang ihr „repräsentatives“ Mandat nicht anpassen. Das ist nicht einzusehen, denn für die mangelhaften Regelwerke der Politiker müssen die Bürger haften. Wer zahlt, muss auch mitreden können.

    Ohne ein gesetzlich verankertes Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht von Bürgern in jeder Branche der Wirtschaft und der Finanzen wird die Wut wachsen und sich als kostspieliger Gegenwind und Verhinderungshandeln manifestieren. Die Mitsprache der Zivilgesellschaft soll sich nicht in Tagesentscheidungen der Unternehmen einmischen, das ist nicht gemeint mit Partizipation und direkter Demokratie. Es geht um die Entwicklung und schließlich Formulierung sozial-ethischer Regeln und nachhaltiger Umweltstrategien, die für jede Branche durch Selbstverpflichtung ihrer Unternehmen verbindlich sind. Die Branchen-Verbände und die Zivilgesellschaft achten auf die Einhaltung dieser Werte. Ein Unternehmen, oder ein Manager, die nicht kooperieren, wird aus dem Branchenverband ausgeschlossen – und dies wird in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Dazu muss die Politik weder durchführende Verordnungen noch Gesetze erlassen, noch müssen sich Gerichte einmischen. Lediglich die Rahmenbedingungen für ein gesetzlich verankertes Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht über die von allen Marktteilnehmern einzuhaltenden Ziele sind Staatsaufgaben. Europa hat die Chance und die Aufgabe, eine neue Wirtschaftskultur zu entwickeln, deren Ziele und Werte mit allen Branchen der Wirtschaft und mit der Zivilgesellschaft gemeinsam erarbeitet, überprüft und weiter entwickelt werden. Dass daraus auch eine neue, direktere Demokratie entstehen wird ist eine positive Nebenwirkung.

    Der Autor weist auf ganz praktische Grundlagen hin. Eine kritische Phase ist die Auswahl der zivilgesellschaftlichen Partner. Während die Wirtschaftsbranchen klar organisiert sind und eingespielte Akteure haben, ist die Zivilgesellschaft sowohl ideologisch als auch organisatorisch zersplittert. Diese Diskussion wird nicht einfach, denn bei den fachkundigen NGO’s und Vereinen gibt es vielfach Einflüsse von Finanziers, die außerhalb der Deutschen Zivilgesellschaft stehen, diese aber oft verdeckt beeinflussen wollen. Diese Schwierigkeiten sollten die Zivilgesellschaft aber nicht davon abhalten, ihre Partizipation einzufordern und sich entsprechend zu organisieren.

    Die deutsche Eigenart, vielfältige lokale Vereine zu gründen und miteinander bestimmten Interessen nachzugehen, muss die Politik beim Design der Rahmenbedingungen für die Partizipation berücksichtigen. Die Mitsprache vor allem auch der jungen Generation ist zu gewährleisten.

    Eine weitere kritische Phase der Partizipation ist der Spielraum der Handlungsfreiheit, der der Industrie zu gewähren ist. Ein Wertekonsens darf nicht zur einer planwirtschaftlichen Gängelung der Wirtschaft führen. Auf der anderen Seite muss die Zivilgesellschaft dafür sorgen, dass alle von der Wirtschaft und dem Finanzsektor verursachten Kosten von diesen selbst intern getragen werden und nicht mehr auf die Gesamtgesellschaft abgewälzt werden dürfen. Schäden, die zunächst durch Steuergelder aufgefangen werden müssen, sind vom jeweiligen Unternehmen und seinem Management zurückzuerstatten.

    Von einem größer werdenden Teil der Gesellschaft werden zunehmend Respekt vor Werten (z.B. auch keine Korruption), Kultur, Nachhaltigkeit und ein generationsübergreifendes Sozialverständnis gefordert. Die Menschen wollen nicht als Versager in der Geschichte dastehen, sondern sich ihrer Verantwortung stellen. Sie sind bereit, Änderung und Weiterentwicklung zu initiieren.

    Die Marktwirtschaft versagt beim Schutz langfristiger Werte. Das ist inzwischen deutlich. Auch wenn die verschiedenen Branchen einer Selbstregulierung zustimmen, ist die Kontrolle der Einhaltung der Ziele und Werte ein wichtiges Element des Gelingens. Unternehmen und Banken müssen zur Transparenz gesetzlich gezwungen werden. Lug und Trug sind keine Kavaliersdelikte. Die persönliche Haftung der verantwortlichen Akteure für die Einhaltung der Spielregeln zur geübten Praxis zu machen wird die Kultur des nachhaltigen und vernünftigen Wirtschaftens stärken. Der Ausschluss von Sündern aus Branchen Verbänden und ihr Anprangern in den sozialen Medien ist eine weitere Sanktion. Um technische und chemische Prüfungen und Gutachten zur Kontrolle zu ermöglichen haben die Branchen Verbände einen gewissen jährlichen Etat vorzuhalten der von der Zivilgesellschaft zur Überprüfung eingesetzt werden kann.

    Die Globalisierung erlaubt Wirtschaftsunternehmen und Banken, sich der sozialen Kontrolle zu entziehen. Die supranationalen Organisationen unterstützen dieses unkontrollierte Ausweichen in egoistisches und rein profitorientiertes Handeln, weil sie keine wirksame Kontrolle vorsehen. Dies ist einer der kritischsten Punkte der Vision des Autors. Peter Grassmann zählt auf die Kraft der Verantwortung der nächsten Generation gegenüber. Das ist nicht gleichzusetzen, mit der egoistischen Neigung nur an die eigenen Kinder und Enkel zu denken. Ein generationenübergreifendes ökosoziales Denken wird sich durchsetzen.

    Nun sollen aber weder der Staat noch überstaatliche Organisationen wie die EU sich mit Regelwerken und Vorschriften einmischen. Der Autor verspricht sich die Durchsetzung einer Werte-orientierten Wirtschaft auch international durch eine sinnvolle und wirksame Partizipation der Zivilgesellschaft und der daraus folgenden Selbstverpflichtung der Unternehmen und Banken. Er fordert von der Zivilgesellschaft zu lernen, mit einer Sprache zu sprechen, nicht immer im Konsens aber koordiniert. Er fordert, schonungslos den Dialog zu suchen, Lösungen anzubieten, die übernational wirksam werden können. Die internationalen Organisationen des Klima- und Umweltschutzes, der Menschenrechte bilden wichtige Stützpfeiler für eine globale aber stets Branchen orientierte gesetzlich verankerte Zusammenarbeit für ökologisch nachhaltiges, sozial faires und generationenübergreifendes Handeln.

    Die bisherigen internationalen Kommissionen, globalen Konferenzen und Lobby Gruppen sind nur das Spiel der Mächtigen unter sich – ohne Gegenstimmen und ohne Konsequenzen.

    Das Prinzip der gegensätzlichen Akteure mit einem gleichen Ziel, die gemeinsam einen Ausgleich der Interessen suchen müssen, ist das zentrale Element dieser Vision. Um diesen Ausgleich hinzukriegen muss die Politik geeignete Rahmenbedingungen schaffen, die ein effizientes Handeln der Akteure auf gleicher Augenhöhe ermöglicht. Dazu ist eine ausgleichende Dialogkultur – eine Kultur des guten Argumentes – zu entwickeln als Möglichkeit der hierarchiefreien Kommunikation und Zivilcourage. In Europa sind die Voraussetzungen gegeben, Ordnungsrahmen werden hier respektiert.

    Zu den Inhalten eines Wertecodex wurde bereits gute Vorarbeit geleistet. Die Mindeststandards einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung wurden national und international vorgezeichnet. Der von der Bundesregierung eingesetzte Rat für nachhaltige Entwicklung hat einen „Nachhaltigkeitscodex“ definiert, übersichtlich und praxisnah. Die UN definierte einen Standard unter dem Namen „Global Compact“ und vor einigen Jahren wurde die Welt-Norm ISO 26.000 verabschiedet. Solche Standards sind gute Leitlinien.

    Der vom Autor beschriebene kontroverse Dialog kann die Selbstverpflichtung der Unternehmen und Banken national und global auf einen branchenspezifischen Wertekodex initiieren. Geeignete Kontrollmaßnahmen durch die externe Mitsprache der Zivilgesellschaft können Nachhaltigkeit durchsetzen und branchenspezifisch Verstöße sanktionieren. Derartig kontrollierte Maßnahmen der Selbstverpflichtung sollten nach Vorstellung des Autors die US-amerikanischen Rating Agenturen ersetzen. Diese Ratin Agenturen haben sich in der Finanzkrise als wertlos entpuppt und verdienen es nicht, weiter Standards zu Unternehmen und Banken zu veröffentlichen. Auch hier traut der Autor der Zivilgesellschaft als vierter demokratischer Kraft viel mehr Realitätssinn zu.

    Als letzte Maßnahme zur Sanktion von Unternehmen und Banken, die sich nicht freiwillig an den veröffentlichten Wertekodex ihrer Branche halten wollen, sieht der Autor die Protektion an der Landesgrenze. Schließlich ist die Zivilgesellschaft nicht verpflichtet, den freien Handel über ihre eigenen Werte zu stellen.

    An vielen Beispielen aus der nationalen und internationalen Wirtschaft belegt der Autor nicht nur seine Insider Kenntnisse, sondern auch die Tauglichkeit seiner Vision. In einer Einbeziehung von sozialpsychologischen Studien großer Gruppen überprüft er überzeugend erneut seine Vision.

    Das Buch erzeugt eine gewisse Dringlichkeit zum Handeln und auch das Gefühl dass es tatsächlich Lösungen für unsere aktuellen Probleme gibt. Lösungen, an denen wir selbst als Zivilgesellschaft teilhaben können. Das Buch markiert das Ende der frustrierenden Hilflosigkeit als Bürger.

    https://www.oekom.de/nc/buecher/vorschau/buch/werteorientierte-marktwirtschaft.html

    Hamburg 3.4.2017 G.U. Bisterfeld von Meer

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